AWO Thüringen bringt Künstliche Intelligenz in die Praxis der Sozialwirtschaft

Beitrag auf dem Thüringer Sozialgipfel

Wie kann Soziale Arbeit in Thüringen zukunftsfähig gestaltet werden – demokratisch, bedarfsgerecht und wirksam? Diese Frage stand im Mittelpunkt des heutigen 11. Thüringer Sozialgipfels am 17. März unter dem Motto „Zukunft. Gemeinsam. Sozial. Gestalten.“ Mit einem eigenen Fachworkshop hat die AWO Thüringen ihre Erfahrungen aus der praktischen Anwendung Künstlicher Intelligenz in die Debatte eingebracht.

Verena Würfel, stellvertretende Leiterin der K-KISS GmbH, zeigte in dem Workshop „Daten, Dialoge, Digitalisierung – wie digitale Tools und KI integrierte Sozialplanung unterstützen können“, wie KI bereits heute konkret im Arbeitsalltag sozialer Einrichtungen eingesetzt wird. Vorgestellt wurden unter anderem Anwendungen für Pflegekräfte, Erzieher*innen und Verwaltung sowie Werkzeuge zur Unterstützung von Leitungskräften – von Text- und Bildgeneratoren bis hin zu digitalen Assistenzsystemen für Fördermittelprozesse und Organisationsentwicklung.

Mit dem Tochterunternehmen K-KISS GmbH hat die AWO Thüringen im vergangenen Jahr die erste KI-Agentur der Wohlfahrtspflege in Deutschland gegründet. Ziel ist es, Künstliche Intelligenz systematisch und datenschutzkonform für die Sozialwirtschaft nutzbar zu machen – nicht als Experiment, sondern als verlässliches Werkzeug zur Entlastung von Mitarbeitenden.

„Künstliche Intelligenz hilft uns, Zeit für das Wesentliche zurückzugewinnen“, sagt Verena Würfel. „Gerade vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels ist es entscheidend, administrative Prozesse zu vereinfachen und Fachkräfte spürbar zu entlasten.“

Zentraler Baustein ist der sogenannte KI-Spielplatz – eine niedrigschwellige Plattform mit einer Vielzahl praxiserprobter Anwendungen, die gemeinsam mit Mitarbeitenden aus Pflege, Pädagogik und Verwaltung entwickelt wurden. Sie ist besonders gefragt wegen ihrer einfachen, sofort nutzbaren Lösungen, die hohe Datenschutzstandards erfüllen und ohne technisches Vorwissen anwendbar sind. Die Plattform wird inzwischen in mehreren Regionen bundesweit eingesetzt, weitere Organisationen befinden sich in der Testphase Besonders gefragt sind dabei einfache, sofort nutzbare Lösungen, die hohe Datenschutzstandards erfüllen und ohne technisches Vorwissen anwendbar sind.

Auf dieser Grundlage entwickelt die K-KISS aktuell eine Reihe spezialisierter KI-Anwendungen und digitaler Plattformen, die aus konkreten Bedarfen der Praxis entstehen – etwa für die Migrationsberatung, die Unterstützung von Ehrenamtlichen oder das Ressourcenmanagement in Einrichtungen. Dazu gehören unter anderem die Lern- und Fortbildungsplattform Studiawo.de, eine Matching-Plattform für das Ehrenamt, eine Ressourcen-Sharing-Plattform, ein digitaler Flottenmanager sowie ein KI-gestützter Service-Chat.

Mehrere Organisationen nutzen den KI Spielplatz bereits als individuell angepasste White-Label-Lösung. Geschulte Nutzer begleiten die Einführung vor Ort und unterstützen Mitarbeitende dabei, die Anwendungen sicher und alltagstauglich zu nutzen – auch ohne ausgeprägte technische Vorkenntnisse.

Ein zentrales Prinzip bleibt dabei der gemeinschaftliche Ansatz: Entwicklungen entstehen aus der Praxis und sollen perspektivisch auch anderen Trägern zugänglich gemacht werden. Formate wie der wöchentliche „Zukunftsclub“ bieten Raum für Austausch, Beratung und gemeinsame Weiterentwicklung.

Der Workshop auf dem Thüringer Sozialgipfel versteht sich vor diesem Hintergrund als praxisorientierter Beitrag zur aktuellen Fachdiskussion. Neben konkreten Anwendungen werden auch Fragen zu Verantwortung, Einführung und Einsatz von KI in sozialen Organisationen gemeinsam diskutiert.

Weitere Informationen zur K-KISS GmbH und ihren Projekten finden sich im Innovationslabor der AWO Thüringen unter: https://k-kiss.de/ und sowie zu den Leuchtturmprojekten unter: https://innovationslabor.awothueringen.de/virtuelle-messe/

Kontakt:

Verena Würfel
AWO Landesverband Thüringen | K-KISS GmbH
Stellvertretende Leitung Innovationslabor

Telefon:  0361 21031 -178
E-Mail:    verena.wuerfel@awo-thueringen.de


Beispiele aus dem KI-Spielplatz der AWO Thüringen:

Link zur Plattform: https://awo-ki-spielplatz.de/

  • KI-Service-Chat Plattform
    Das Projekt „Service-Chat“ ist eine zentrale Plattform, über die KI-Chatbots für Kundenorganisationen datenschutzkonform erstellt, betrieben und in bestehende Webseiten eingebunden werden können.
  • Studiawo.de
    Studiawo.de ist eine zentrale Lernplattform, über die Pflichtschulungen und Qualifizierungen für Mitarbeiter*innen 24/7 bereitgestellt werden können. Die Plattform unterstützt ein breites Medienset – von Präsentationen über Videos bis hin zu interaktiven Quizformaten – und ermöglicht am Ende von Lernstrecken den Download von Zertifikaten.
  • KI in der Migrationsberatung
    Ein KI-gestützter Chatbot, der Klientinnen dabei unterstützt, passende Anlaufstellen für ihr Anliegen schnell zu finden. Auf Basis von Beratungsthema und Ort(Landkreis/Stadt) ermittelt der Chatbot die richtigen Ansprechpartner*innen bzw. Angebote in der jeweiligen Region und erleichtert so den Zugang zur Beratung.
  • Ressourcen-Pool
    Ist eine digitale Sharing-Plattform, die vorhandene Ressourcen (z. B. Bierzeltgarnituren, Musikanlagen, Popcornmaschine) transparent macht und es Einrichtungen ermöglicht, diese untereinander auszuleihen und zu teilen. So werden bestehende Bestände besser genutzt, Anschaffungskosten reduziert und die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen gestärkt.
  • Ehrenamtsplattform - eine digitale Lösung, über die Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamt innerhalb der AWO Thüringen (z. B. Altenhilfe, Kindergärten, Ortsvereine) als Inserate öffentlich sichtbar gemacht werden. Interessierte können passende Angebote schnell finden und sich unkompliziert direkt bei den Einrichtungen melden.
  • Teilhabeeinschätzung - eine Plattform, die Pädagog*innen in spezialisierten Kindergärten bei der Erstellung strukturierter Teilhabeeinschätzungen für förderbedürftige Kinder unterstützt. Statt Inhalte mühsam im Handbuch zu recherchieren und nachzuschlagen, können relevante Textbausteine und Fragelogiken per Klick zusammengestellt werden.
  • Simultan-Übersetzer - Übersetzt gesprochene oder geschriebene Sprache nicht nur in jede Fremdsprache, sondern bei Bedarf auch in leicht verständliche Sprache. Besonders hilfreich für den inklusiven Arbeitsalltag in Migrationsberatung, Pflege und Kita.
  • Fördermittelassistent - Unterstützt Einrichtungen bei der Entwicklung und Verschriftlichung von Förderanträgen. Auf Basis weniger Angaben generiert das Tool zielgruppenspezifische Projektideen und formuliert überzeugende Antragstexte.
  • Interaktives Pflegehandbuch - Ein digitaler Pflegeassistent, der alle AWO-internen Qualitätsstandards kennt. Fragen zu Pflegeprozessen können in natürlicher Sprache gestellt werden – auch auf Arabisch, Ukrainisch oder Englisch – die Antworten kommen sofort, verständlich und unter Einhaltung der Qualitätsstandards zurück.
  • KI-Dokumenten-Checker - Extrahiert Kernaussagen aus hochgeladenen Dokumenten, fasst lange Texte zusammen und beantwortet Rückfragen direkt. Ideal zur Vorbereitung auf Gespräche oder zur schnellen Erfassung von Fachtexten.
  • KI-PowerPointer - Erstellt automatisch PowerPoint-Präsentationen inklusive Text, Bildern und Gliederung. Nutzende geben Thema und Zielgruppe ein – der Rest wird in Sekunden erledigt. Bis zu acht Folien mit nur wenigen Klicks.
  • KI-Aktivitätengenerator - Entwickelt kreative Beschäftigungsideen für Kindergärten und Pflegeeinrichtungen, abgestimmt auf Alter, Mobilität, verfügbare Materialien und gewünschte Themen – vom Bewegungsspiel bis zur Malrunde.
  • Geschichtenautomat mit Vorlesefunktion - Erstellt individuelle Geschichten in jeder Sprache – je nach Alter, Thema und Länge. Auf Wunsch liest eine KI-Stimme die Geschichte direkt vor – ideal für Kindergärten, Familienzentren oder Tagespflege.
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